Der größere Becher in Yoshitomo Naras Porzellanserie We Are Punks: Auf seiner Außenseite späht ein Mädchen mit Vampirzähnen über eine Mauer, mit der stillen Bedrohlichkeit von jemandem, der zuerst da war und nicht vorhat zu gehen. „We Are Punks" steht auf der Außenseite, zugleich Titel und Absichtserklärung. Das Motiv geht auf Naras gleichnamige Buntstiftzeichnung von 2011 zurück und steht für eine Arbeitsweise, in der kindlicher Trotz und subkulturelle Energie zu einer visuellen Sprache verschmelzen, die schon von Weitem auffällt.
Der Becher ist aus Hasami-Keramik der Präfektur Nagasaki gefertigt, in Japan gebrannt, glasiert und fertiggestellt. Hasami-Töpfer perfektionierten ihr Handwerk an der Herstellung von Alltagsgeschirr für den heimischen Markt: Das Porzellan ist zum Benutzen gemacht, nicht nur zum Bewundern. Der Becher ist mikrowellen- und spülmaschinenfest. Die weiße Außenfläche, auf der die Illustration sitzt, ist sauber und unglasiert, was dem Druck eine haptische, fast papierartige Qualität verleiht, die eher an eine Zeichnung erinnert als an einen industriell aufgebrachten Transferdruck.
Mit 300 ml fasst er genug Kaffee, um den Morgen mit derselben stur gelassenen Haltung zu beginnen, die Naras Kinder seit über drei Jahrzehnten vorleben. Kombinieren Sie ihn mit dem kleinen Becher: Die beiden lassen sich ineinanderstapeln und kommen, wie jedes durchdachte Duo, als Set erst richtig zur Geltung. Dass sie sich stapeln lassen, ist kein Zufall. Nara interessiert sich seit Langem für Objekte, die sich ineinander verschachteln lassen. Seine raumgreifenden Installationen sind als Hütten und Kabinen gebaut, die kleinere Arbeiten beherbergen und eine Mise en abyme der Intimität erzeugen. Zwei Becher, die ineinander ruhen, tragen ein leises Echo dieser Idee in sich, ins Format eines Küchenregals übersetzt.
Kritiker ordnen Nara häufig der Superflat-Bewegung zu, die Takashi Murakami theoretisch begründet hat, doch der Vergleich trägt nur bedingt: Während Murakami einen nahezu industriellen Betrieb mit großen Produktionsteams führt, arbeitet Nara allein, und was er schafft, gleicht eher einem Tagebucheintrag als einer Produkteinführung. Wie sich Murakamis Editionen in Technik und Maßstab unterscheiden, zeigt unser Artikel über Takashi Murakamis limitierte Editionen. Sammler, die sich von der sanfteren, unheimlicheren Seite von Naras Einfluss angezogen fühlen, finden ein natürliches Gegenstück in den pop-surrealistischen Editionen von Roby Dwi Antono.
Auch ohne Kontext spricht das Objekt für sich: dreihundert Milliliter Hasami-Porzellan, ein Vampirmädchen, das sich weigert zu blinzeln, und die Worte „We Are Punks", die jedem entgegenblicken, der an Ihr Regal tritt.